Foto: Wiener Konzerthaus Pygmalion (c) Andrea Humer
Wiener Konzerthaus, 6. November 2026
Pygmalion / Pichon
Mozart: Messe c-moll u.a.
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Pygmalion
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Sabine Devieilhe Sopran
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Blandine d e Sansal Mezzosopran
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Kieran Carrel Tenor
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Christian Immler Bass
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Raphaël Pichon Dirigent
Fünf Stücke lang lässt Raphaël Pichon das Publikum im Wiener Konzerthaus auf Mozarts c-Moll-Messe warten. Er beginnt mit Bruckner, geht zu Mendelssohn und Schubert und kehrt noch einmal zu Bruckner und Mendelssohn zurück. Auf dem Papier sieht das nach einem Vorprogramm aus. Im Saal wird daraus eine Folge von Gebeten, die ihren Höhepunkt in Mozarts Messe finden.
Von Kathrin Schuhmann
Die ersten Töne von Bruckners Christus factus est erklingen. Der Saal hält den Atem an. Niemand wagt es die leisen a capella gesungenen Harmonien zu stören, mit denen der Chor eindrucksstark unter Beweis stellt, dass musikalische Spannung nicht von Lautstärke, sondern von Intensität und Entwicklung lebt. Nicht nur in diesem Stück setzen die einzelnen Stimmen mit einer Präzision ein, die ihresgleichen sucht. Die Gestaltung einer jeden Phrase ist in allen Stimmgruppen stets so homogen gestaltet, dass man zeitweise kaum glauben mag, dass man einem vielköpfigen Ensemble lauscht. In Mendelssohns Miserere treten sodann die vier Solostimmen hinzu. Pichon lässt hier Mendelssohns d-Moll-Kyrie auf den Text des lateinischen Bußpsalms singen. Die Bitte um Erbarmen, die später bei Mozart wiederkehrt, ist damit schon einmal ausgesprochen.

Dann kommt Schubert, zweifellos ein Höhepunkt des gesamten Abends. Denn in Lacrimosa son io trägt die Solosopranistin Sabine Devieilhe ihre Stimme nicht wie erwartet von der Bühne in den Saal, sondern beschallt die Zuhörerschaft von der Galerie aus. Viele Köpfe im Parkett drehen sich in der Folge um, um auch visuell begreifen zu können, was ihre Ohren vernehmen. Das klangliche Wechselspiel, das mit dem Einsatz des Chores, der von der Bühne aus antwortet, entsteht, mutet beinahe unwirklich an. Mit Bruckners siebenstimmigem Ave Maria sammelt sich der Klang dann wieder alleinig auf dem Podium. Der Chor nimmt sich bei der Gestaltung der Phrasenenden dabei so viel Zeit, dass der Übergang von einem Akkord zum nächsten förmlich zelebriert wird. Im nachfolgenden Da nobis pacem von Mendelssohn übernehmen die Streicher den Atem der Singstimmen, wodurch die Friedensbitte fast wie ein gemeinsames Ein- und Ausatmen klingt, bevor Mozarts Kyrie einsetzt.

Mozarts Messe blieb Fragment. Das Credo bricht nach dem Et incarnatus est ab, ein Agnus Dei fehlt. Wie weit Mozart die Messe angelegt hatte, lässt sich schon am Gloria ermessen. Hier stehen groß besetzte Chöre neben Arien und Duetten. Sabine Devieilhe sang das Et incarnatus est mit einem hellen, ungemein beweglichen Sopran. Wie selbstverständlich sie die virtuosen Verzierungen in die Melodie einband, war vielleicht das Bezauberndste an ihrer Darbietung. Im Domine Deus mischte Blandine de Sansal dem Duett mit ihrem warmen Mezzo eine dunklere Farbe bei, die sich sowohl von Devieilhes hellem Sopran erquicklich abhob, sich zugleich aber auch mit diesem auf das harmonischste verband. Kieran Carrel berührte im Quoniam tu solus sanctus mit einem klar geführten Tenor, der sich leicht und elegant zwischen den beiden Frauenstimmen bewegte. Christian Immler gab dem Quartett mit seinem sonoren Bass ein ruhiges, ausdrucksstarkes Fundament. Im Benedictus fanden die vier Solistinnen und Solisten zu einem feierlichen Höhepunkt zusammen, in dem jede Stimme auch im konzertanten Zusammenklang erkennbar blieb.

Raphaël Pichon führte meisterlich durch den Konzertabend. Einmal mehr demonstrierte er mit seiner hinreißenden Programmgestaltung, wie zeitlos die kirchenmusikalische Chorliteratur der klassisch-romantischen Ära ist. Dass er über die gesamten 100 Minuten ohne jede prätentiöse Geste am Dirigentenpult auskam und sich mit seinem Dirigat ganz in den Dienst der Musik stellte, dankte ihm das Publikum mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.
Dr. Kathrin Schuhmann, 8. November 2026, für
klassik-begeistert.live und klassik-begeistert.at
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