Charlotte Larzelere (Alice) und Lennard Giesenberg (Der Weiße Ritter) (Foto: RW)
Ratmanskys Interpretation des Klassikers nach Lewis Carroll ist schon allein der wunderschönen Kostüme wegen sehenswert, vor allem für jene, die mit der Kunstform Ballett noch nicht so vertraut sind. Das Publikum zeigte sich am Ende jedenfalls überaus begeistert.
Wunderland, Ballett von Alexei Ratmansky nach Lewis Carroll
Bühnenbild: Sebastian Hannak, Kostüme: David Szauder
Verschiedene Kompositionen
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,
Leitung: Vello Pähn
Hamburg Ballett, Hamburgische Staatsoper, 6. November 2026
von Dr. Ralf Wegner
Charlotte Larzelere tanzte die Alice ganz wunderbar, vor allem aber mit einer technischen Leichtigkeit, die Staunen macht. Schon wie sie beim Fall in die rotierende Tiefe, am Haken hängend, mit einer Haltung voller Anmut und selbstvertrauend, wie gebannt die Welt betrachtet, ist vortrefflich. Sie liefert fast das gesamte klassische Repertoire, einschließen der Hopser auf der Spitze mit Drehung wie aus Giselle. Der Pas de deux mit Lennard Giesenberg als der Weiße Ritter erreichte dagegen noch nicht ganz die fließende Eleganz der Vorgänger Olivia Betteridge mit dem technisch brillanten Daniele Bonelli.
An Stelle von Aleix Martínez tanzte Louis Musin das Weiße Kaninchen im ersten und den Löwen im zweiten Teil. Technisch mit seinen Sprüngen überragend, passte das Komische der Rolle nicht recht zum vom Charakter her eher dramatisch offensiv wirkenden Ersten Solisten. Als Löwe war er dagegen wieder voll in seinem Element, vor allem hatte er mit Charlotte Kragh als Einhorn eine kongeniale Partnerin. Schade, dass diese sowohl technisch als auch darstellerisch bemerkenswerte Solistin so selten mit größeren Rollen betraut wird.

Francesco Cortese und João Santana zeigten als Tweedledum und Tweedledee, wie eingespielt sie mit diesen beiden, vom Publikum stark applaudierten komischen Figuren bereits umgehen. Beide agierten auch überzeugend als Der Greif und Die Falsche Schildkröte. Greta Jörgens erwies sich wieder als fröhlich zugewandte Spiegel-Alice. Ida Stempelmann agierte, kaum zu erkennen, u.a. als Herzkönigin; darstellerisch war sie etwas eingezwängt in die Ratmansky’sche Choreographie. Dabei hätte gerade Stempelmann das eigentlich bösartig-sadistische, das Furienhafte dieser Figur stärker herausarbeiten können. Ratmansky wollte aber wohl nicht zu realistisch werden und keine Kinder im Publikum verschrecken. Dem Ensemble sah man den Spaß an, den sie mit diesem Stück hatten.

Leider fehlt nach wie vor der Tiefgang, sei es auch nur eine durchgehende Liebesgeschichte wie bei der Münchner Alice im Wunderland des Choreographen Christopher Wheeldon. Damals, 2017, tanzten Ksenia Ryzhkova die Alice und Jonah Cook den Herzbuben. Trotzdem ist Ratmanskys Interpretation des Klassikers nach Lewis Carroll schon allein der wunderschönen Kostüme wegen sehenswert, vor allem für jene, die mit der Kunstform Ballett noch nicht so vertraut sind. Das Publikum zeigte sich am Ende jedenfalls überaus begeistert.
Dr. Ralf Wegner, 8. November 2026, für
klassik-begeistert.live und klassik-begeistert.at
Richard Wagner, Die Walküre, Omer Meir Wellber Hamburgische Staatsoper, 1. November 2026
Giuseppe Verdi, Macbeth Hamburgische Staatsoper, 8. Oktober 2026
Richard Wagner, Die Walküre, Omer Meir Wellber Hamburgische Staatsoper, 3. Oktober 2026