Liederabend des Internationalen Opernstudios | 27.10.2026 Defne Celik, Etīna Emīlija Saulīte, Jingjing Xu, Chen Li, Irakli Pkhaladze, Markus Zugehör © Peter Adamik
Es ist einer jener Abende, der hohe Erwartungen noch weit übertrifft. – Nicht, weil ich den Nachwuchs unterschätzen würde, sondern weil in diesem Konzert einfach alles stimmte: Ausnahmslos alle Talente, die sich aus dem Internationalen Opernstudio im Apollo Salon der Berliner Staatsoper präsentierten, ließen herrliche Stimmen hören und sangen Arien, Duette und Ensembles, die mit ihrem Fach und ihrer Persönlichkeit perfekt harmonieren.
Apollo Saal, Staatsoper Unter den Linden, 27. Oktober 2026
Defne Celik, Sopran
Etīna Emīlija Saulīte, Sopran
Jingjing Xu, Mezzosopran
Chen Li, Tenor
Irakli Pkhaladze, Bassbariton
Markus Zugehör, Klavier
Tabatha McFadyen, Szenische Einrichtung
Detlef Giese, KatharinaDuda, Moderation
Szenen, Arien und Duette aus Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini, Georges Bizet, Léo Delibes und Franz Lehár
von Kirsten Liese
Überhaupt erschien die Auswahl der Stücke passgenau zugeschnitten auf die jungen Sängerinnen und Sänger, was sich auch auf die kompetente gute Führung des Studios zurückführen lässt.
Mozarts frühe Oper „La finta giardiniera“ (Die Gärtnerin aus Liebe), geschrieben im Alter von nur 19 Jahren, wird leider sehr selten aufgeführt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass gleich einige der melodisch sehr reizvollen Arien hier zum Erklingen kamen.
Jeder der Mitwirkenden besetzt typengerecht ein anderes Fach in diesem Studio-Ensemble.
Die 23-jährige Defne Celik singt die Arie der Sandrina („Geme la tortorella“). Sie verfügt über einen bezaubernd schönen, warm-timbrierten Sopran und ein zärtliches hauchfeines Vibrato und empfiehlt sich damit als perfekte Besetzung für solche von großem Liebreiz getragenen Frauenfiguren, zu denen im weiteren Verlauf dieses Abends dann auch die Susanna aus Mozarts „Figaro“ mit ihrer „Rosenarie“ zählt.

Die zwei Jahre jüngere Lettin Etīna Emīlija Saulīte ist ebenfalls ein Sopran, aber prädestiniert für lyrische Partien mit leichten dramatischen Anleihen. Sowohl seitens ihrer Erscheinung als auch mit ihrem in ihren jungen Jahren bereits in der Höhe groß aufblühenden Sopran erinnert sie mich an Julia Varady, die einst wie sie berührend sanftmütige liebende Frauen des italienischen Fachs gestaltete. „Mi chiamano Mimì“, die Arie aus Puccinis „La Bohème“, und ein Duett aus „Madama Butterfly“ geben davon eindrücklich Zeugnis.

Nebenbei gesagt reihen sich diese Arien und Ensembles nicht einfach nur so aneinander, vielmehr hat Tabatha McFadyen unter Einbezug zweier Blumenbukette, die für einzelne Darbietungen auch einmal zerpflückt werden dürfen, eine dezente, ästhetisch ansprechende szenische Einrichtung besorgt, die sich am roten thematischen Faden des Abends – Blumen in der Oper- orientiert.
Die Chinesin Jingjing Xu bewegt sich mit ihrem schlanken Mezzo agil durch die Hosenrolle des Ramiro in der „Gärtnerin aus Liebe“, stellt ihre große Vielseitigkeit aber auch in Duetten aus Delibes „Lakmé“, Puccinis „Madama Butterfly“ oder „Das Land des Lächelns“ unter Beweis.

Anders als auf Gesangswettbewerben, wo sich meist talentierte Tenöre und Baritone an einer Hand abzählen lassen, war hier auch der der männliche Nachwuchs überdurchschnittlich gut aufgestellt:
Mit dem 1998 in der Mongolei geborenen Chinesen Chen Li trat hier ein Tenor in Erscheinung, der sehr berührend mit großer Stimme, Schmelz und französischen Färbungen Figuren wie Don José aus Bizets „Carmen“ Gestalt gab, dessen Arie „La fleur che tu m’avais jetée“ er ergreifend darbot.

Der Georgier Irakli Pkhaladze komplettierte mit seinem strahlkräftigen Bassbariton das Studioensemble, das neben Arien und Duetten am Anfang und Ende auch jeweils ein Quintett aufführte und dabei sehr geschmeidig den weiten Bogen von Mozart zur Operette spannte. Die Arie des Belcore aus Donizettis „Liebestrank“ meistert er ebenso virtuos wie die des trotzigen, sich von seiner Susanna betrogen geglaubten Figaros.

Das nicht vorhandene Orchester ersetzte in diesem Kammerkonzert, das weniger ein klassischer „Liederabend“ war, als der er ausgegeben wurde, als ein Arien- und Vortragsabend, Markus Zugehör am Klavier, ein einfühlsamer Künstler, dem – stets Charakter und Farbe der ausgewählten Stücke treffsicher einfangend – anzumerken war, dass er auf dem Gebiet der Liedbegleitung und Korrepetition schon viel Erfahrung sammeln konnte.
Es ist eine schöne Tradition, dass solche Entdeckungen sich einmal – im Schutzraum gezielter Förderung und auf kleinerer Bühne im Foyer – präsentieren konnten. Auf der großen Bühne können sie nebenher in kleineren Partien Erfahrungen sammeln. Alle Fünf haben das Zeug zu einer vielversprechenden Karriere.
Kirsten Liese, 30. Oktober 2026, für
klassik-begeistert.live und klassik-begeistert.at
SolistInnen des Lübecker Opernstudios Theater Lübeck, 10. Mai 2026
Jubiläumsgala: 30 Jahre Internationales Opernstudio (IOS) Staatsoper Hamburg, 13. Oktober 2024
Staatsoper Hamburg, Internationales Opernstudio Konzert im Großen Saal, 4. Juni 2021
Die Bezeichnung „Internationales Opernstudio“ ist ein PR-Gag der untersten Schublade.
Die Opernwelt ist per se international und alle Opernstudios sind international besetzt. Das ist Normalität und wird nur im imageschwachen Hamburg extra hinausposaunt. Wie schlecht muss es um das Haus sein, dass man zu solchen Aufmerksamkeitserregern greift …
Waltraud Becker