Foto: Brenda Rae in der Produktion aus 2023 als Semele © Monika Rittershaus
Drei Jahre nach der Festspielpremiere im Prinzregententheater zieht Semele ins angestammte Nationaltheater um. Mit großartigem Erfolg. Sängerisch überzeugend allen voran Louise Alder mit tollem Timbre. Das Orchester hält die Spannung aufrecht, ist dynamisch. Ein bisschen Komik, ein bisschen Rache, ein bisschen Action, natürlich viel Dramatik. Lohnt sich.
Nationaltheater, München, 25. September 2026
Semele
Oper nach Art eines Oratoriums (1743)
Komponist Georg Friedrich Händel
Libretto nach William Congreve
Musikalische Leitung Leonardo García Alarcón
Inszenierung Claus Guth
Bühne Michael Levine
Semele Louise Alder
Jupiter Michael Spyres
Athamas Jakub Józef Orliński
Juno Marina Viotti
Ino Avery Amereau
Wedding Planer / Iris Sarah Dufresne
Cadmus/Somnus Sam Carl
Bayerisches Staatsorchester
Bayerischer Staatsopernchor
Opernballett der bayerischen Staatsoper
von Frank Heublein
Im Festspielsommer 2023 brachte die Bayerischen Staatsoper Semele auf die Münchner Bühne des Prinzregententheaters. Die Wiederaufnahme startet an diesem Abend im größeren Nationaltheater. Vom Sängerensemble sind Michael Spyres als Jupiter und Jakub Józef Orliński als Athamas aus dem Premierenteam auch zur Wiederaufnahme am Start. Alle anderen Rollen sind im Vergleich zur Festspielproduktion neu besetzt.
Sopran Louise Alder singt die Semele. Eine herausfordernde Rolle. Sängerisch wie spielerisch. Denn die Gesangsanteile Semeles sind groß. Die längste und komplizierteste Arie ist ihre vorletzte. Famos! Schönes warmes Timbre. Exakte Artikulation. Eine Stimme, die dieses große Haus ausfüllt. Szenenapplaus. Schauspielen kann Louise Alder auch sehr gut, etwa wenn Sie Jupiter auffordert, dass er sich ihr in seiner göttlichen Gestalt nähern soll. Check!

Tenor Michael Spyres als Jupiter tanzt CanCan. Das traue ich seiner Figur nicht ohne weiteres zu. Er kann! Oh ja! Souverän, stabil, einfühlsam, einfach nur schön im Air “Where’er you walk, cool gales shall fan the glade” im zweiten Akt. Stimmlich packt er mich. Check!
Counter Jakub Józef Orliński singt und spielt Athamas. Er singt abartig leicht. Dazu legt er eine Breakdance Nummer hin. Uuhhhh! Die Applausherzen fliegen ihm szenisch wie am Ende zu. Check!

Mezzo Marina Viotti stattet die Altpartie der Juno schauspielerisch wie sängerisch mit Eifersucht und daraus entspringender zwingender zugleich lustvoller Zerstörungswut aus. Ihre Exekutivkraft Iris, gesungen vom Staatsopern-Ensemblemitglied Sarah Dufresne, hat einen hellen Sopranstrahl. Beide amüsieren mich zudem mit ihren schauspielerischen Komikqualitäten. Doppel-Check!
Alt Avery Amereau singt die Ino. Als Gast, sie hat das Haus zu dieser Spielzeit verlassen. Schade. Ich bleibe treuer Stimmenfan, liebe Avery. Sie gestaltet die Rolle der Schwester Semeles bockig – sie will Athamas heiraten -, einfühlsam wenn sie die Schwester wiedersieht. Stimmlich entschlossen. Im ersten Akt mimt sie die bockig-nicht-Erwählte toll. Im ersten Akt finde ich sowohl das Duett Amereau mit Bass Sam Carl als Vater Cadmus und ihr Quartett zusammen mit Vater, Schwester Semele und Athamas eine Ohrenweide. Check!
Das Bayerisches Staatsorchester ist unter dem aktiven Dirigenten und zugleich das Cembalo spielendem Leonardo García Alarcón alert und unter konstanter dynamischer Spannung. Der Bayerische Staatsopernchor muss sich zuweilen eilen, den Anschluss ans Orchester nicht zu verlieren.
Die Inszenierung Claus Guths, er ist zur Wiederaufnahme da, funktioniert in beiden Häusern in gleichem Maße gut. Handlungstechnisch ist der erste Teil des dritten Aktes der Höhepunkt. Geschickt von Juno eingefädelt, will Semele Jupiter in seiner göttlichen Gestalt sehen. Das war’s für sie. Danach passiert nichts Wesentliches, dauert jedoch. Diese Länge im dritten Akt spüre ich an diesem Abend wie an der Premiere.
Aber hallo! Wie diese Wiederaufnahme bejubelt wird. Der Wahnsinn! Das ganze Team inklusive Regisseur wird gefeiert. Louise Alder, Michael Spyres und Jakub Józef Orliński sahnen zurecht eine Extraportion Jubel ab. Verdient. Dieser Produktion wünsche ich lange Jahre der Aufführung an der bayerischen Staatsoper. Aktuell heißt es schnell sein, um an Karten für eine der Aufführungen der aktuellen Aufführungsserie zu gelangen.
Meine Eindrücke zur Premiere 2023 können Sie hier nachlesen.
Frank Heublein, 26. September 2026, für
klassik-begeistert.live und klassik-begeistert.at
Georg Friedrich Händel, Semele Prinzregententheater, München, 15. Juli 2023
Georg Friedrich Händel, Semele Theater Lübeck, 23. November 2024
Jakub Józef Orliński & Aleksander Dębicz Philharmonie Luxemburg, 29. September 2025